Der 80. Todestag Leo Trotzkis 20. August 2020 – Posted in: highlight, Verlagsnews – Tags: , , ,

Liebe Leser*innen,

am 21. August 2020 begehen wir den 80. Jahrestag der Ermordung Leo Trotzkis durch den Anschlag eines stalinistischen Agenten. Der Manifest Verlag hat sich mit seiner Gründung zum Ziel gesetzt, die revolutionäre Lehre des Marxismus einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Dazu gehört nicht nur die Veröffentlichung neuer Werke zu aktuellen Themen, sondern auch die Wahrung revolutionärer Traditionen der Arbeiter*innenbewegung. Diese beginnen mit der revolutionären Politik der frühen Sozialdemokratie, werden fortgesetzt durch den Kampf ihres linken Flügels gegen die Hinwendung zum Opportunismus. Dieser Fand mit der Zustimmung zu den Kriegskrediten und der Burgfriedenpolitik ab 1914 seinen höchsten Ausdruck und führte zum Zerfall der Zweiten Internationale. Die Revolutionär*innen international begannen, sich neu zu organisieren. In Russland gelang es der revolutionären Sozialdemokratie – den Bolschewiki – inmitten von Krieg, Hunger und Not im Oktober 1917 die erste erfolgreiche sozialistische Revolution der Welt anzuführen. Eine neue, revolutionäre Internationale wurde gegründet und die entstehenden Kommunistischen Parteien der Welt schlossen sich dieser Weltpartei des Proletariats an.

In der revolutionären Bewegung der Jahre nach der Russischen Revolution war der Name Leo Trotzkis neben dem Lenins unmittelbar mit der Organisation des siegreichen Aufstandes und seiner militärischen und politischen Verteidigung in den Jahren des Bürgerkriegs verbunden. In dieser Tradition der ersten Jahre der Oktoberrevolution und der ersten vier Weltkongresse der Kommunistischen Internationale sieht sich der Verlag und die Organisation, zu der er gehört – die Sozialistische Organisation Soldarität (sol).

Als die Errungenschaften der Revolution und die theoretischen Grundlagen des Marxismus von der erstarkenden Bürokratie und Stalin in der Sowjetunion im Verlauf der 20er Jahre angegriffen und zurückgedrängt wurden, gingen Trotzki und seine Genoss*innen in Opposition dazu. Trotz Parteiausschlüssen, Verhaftung und Mord, hielten sie an der Linie der Bolschewiki fest, die zur Grundlage der Oktoberrevolution wurde. Sie analysierten die Ursachen für die Entstehung der Bürokratie, kämpften für die internationale Revolution gegen die reaktionäre Theorie des „Sozialismus in einem Land“ und für die Unabhängigkeit der Arbeiter*innenparteien von (klein-)bürgerlichen Kräften. Mit dem Kampf gegen die Bürokratie war die bedingungslose Verteidigung der Errungenschaften der Revolution in Russland verbunden, die diese durch ihre Politik letztendlich zu Fall brachte. Mit dem Erstarken des Faschismus Ende der 20er Jahre und der spanischen Revolution 1936-39 nahmen diese Themen eine große Rolle in Trotzkis Schaffen ein. Seine Schriften aus dieser Zeit halten für heute viele wichtige Lehren trotz der historisch veränderten Situation bereit. Wir möchten Euch hier einen Überblick über Publikationen zu diesen Themen geben und laden Euch ein, mit uns zu diskutieren und vor allem aktiv zu werden. Aktuelle Analysen und Informationen über örtliche Treffen der Sol findet ihr auf der Website: https://solidaritaet.info/

Im August 2020 sind zwei Bücher brandneu erschienen. Das erste und umfangreichste ist „Trotzki, Trotzkismus, Vierte Internationale.“ Diese Sammlung von Texten bietet allen Interessierten einen Einstieg und Überblick in das Leben und Schaffen Trotzkis als Person, aber auch der Entstehung der Opposition und der trotzkistischen Organisationen in den Jahrzehnten nach seiner Ermordung. In seinem Umfang und Themenreichtum ist dieses Buch nur mit wenigen anderen dazu vergleichbar. Ihr könnt es hier bestellen: https://manifest-buecher.de/produkt/trotzki-trotzkismus-vierte-internationale-2/

Das zweite ist ein heutzutage weniger bekannter Titel über die Revolution in Georgien zu Beginn der 20er Jahre und die Politik der Bolschewiki. Anhand dieses Beispiels legt Trotzki ausführlich und in Auseinandersetzung mit den reformistischen Ideen der Sozialdemokratie die Grundladen der damaligen Konflikte und des Programms der Revolutionär*innen dar. Es ist mit einer Einleitung von Wolfram Klein und einem ausführlichen Verzeichnis der Personen, Organisationen und Zeitschriften versehen. Ihr findet es hier: https://manifest-buecher.de/produkt/zwischen-imperialismus-und-revolution/

Ebenfalls im August ist die zweite Ausgabe des halbjährlichen Magazins der „sozialismus heute“ erschienen, eine der zwei Publikationen neben der „Solidarität – Sozialistische Zeitung“ der sol, die vom Manifest Verlag herausgegeben werden. Die Nummer 2 hat das Wirken und die Ideen Trotzkis neben anderen Artikeln zum Schwerpunkt. Als Einzelausgabe oder im Abo können die Publikationen der Sol hier bezogen werden: https://manifest-buecher.de/produkt-kategorie/sozialismus-heute/

Eine zentrale Veröffentlichung von Trotzki selbst ist das sogenannte „Übergangsprogramm“, das zum Gründungsdokument der 1938 neu gegründeten „Vierten Internationale“ wurde und bis heute noch ein Lehrstück für die Methode ist, wie in einem Programm der Kampf um Tagesforderungen mit der notwendigen des revolutionären Sturzes des Kapitalismus verbunden werden kann: https://manifest-buecher.de/produkt/das-uebergangsprogramm/

Sein Buch über die erste Russische Revolution von 1905 fasst eindrucksvoll die Ereignisse und Lehren der revolutionären Bewegung, die zur Generalprobe für 1917 wurde, aus der Sicht des Vorsitzenden des Petrograder Sowjets selbst zusammen: https://manifest-buecher.de/produkt/die-russische-revolution-1905/

Ein wichtiges und detailgetreues Zeugnis über seinen politischen Werdegang und die Auseinandersetzungen, die er in seinem Leben führte, legt Leo Trotzki selbst in seiner umfangreichen Autobiographie „Mein Leben“ ab: https://manifest-buecher.de/produkt/leo-trotzki-mein-leben/

Als Broschüre ist unter anderem bei uns „Ihre Moral und unsere“ aus dem Jahr 1938 erschienen. Es ist Ausdruck des Kampfes für die Klarheit des revolutionären Marxismus in Theorie und Praxis, während kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges viele Kräfte dem Druck erlagen, sich an andere politische Kräfte anzupassen: https://manifest-buecher.de/produkt/ihre-moral-und-unsere/

Ebenfalls als Broschüre ist „Revolution und Frauenbefreiung“ erschienen, das einige Texte Leo Trotzkis versammelt, in denen er sich explizit mit der Stellung der Frau in der Sowjetgesellschaft und dem Kampf für soziale Gleichheit beschäftigt: https://manifest-buecher.de/produkt/revolution-und-frauenbefreiung/

Die Broschüre ist nur eine von einer ganzen Reihe von Textsammlungen, die wir herausgeben. Die Wichtigste dürfte die Sammlung von grundlegenden Texten zur Russischen Revolution 1917 darstellen. Von sehr grundlegenden Texten („Kopenhagener Rede“), die einen guten Einstieg zur Erstbeschäftigung bieten bis hin zu theoretischen Auseinandersetzungen („Drei Konzeptionen der Russischen Revolution“, „Die Lehren des Oktober“) für erfahrenere Leser*innen bietet das Buch eine Basis für eine tiefgründige Beschäftigung mit der Oktoberrevolution: https://manifest-buecher.de/produkt/revolution-in-russland/

Ebenfalls von großer Bedeutung für den Fortlauf der Entwicklung in Russland war die internationale Ausbreitung der Revolution vor allem nach Deutschland. Trotzki sah in der gut organisierten Arbeiter*innenklasse gepaart mit den modernsten Produktionsmethoden Deutschland ein großes Potential zur Festigung der Arbeitermacht und ihrer Ausweitung nach Westeuropa. Von der Zeit der Emigration bis zur aktiven Teilnahme an den Diskussionen der Komintern und der Analyse der Niederlage 1924 bieten diese Texte einen Überblick: https://manifest-buecher.de/produkt/revolution-in-deutschland/

Einige seiner zahlreichen Texte zur Frage der Einheitsfront und des Kampfs gegen den Faschismus haben wir hier versammelt: https://manifest-buecher.de/produkt/wie-wird-der-faschismus-geschlagen/

Nur wenigen ist heute die Entwicklung in Frankreich zur Zeit des Spanischen Bürgerkriegs bekannt. Eine der Perspektiven bei einer erfolgreichen Revolution im Spanischen Staat war nicht nur die Erneuerung der Revolution gegen die Bürokratie in der Sowjetunion gewesen, sondern auch, dass die Revolution schnell auf die kämpfenden Massen in Frankreich hätte übergreifen und die Ausbreitung des Faschismus und den Zweiten Weltkrieg unter Umständen sogar verhindern können. https://manifest-buecher.de/produkt/wohin-geht-frankreich/

Trotzki Texte sind auch in anderen Sammlungen enthalten wie zum Beispiel im Buch zur Massenstreik- und Revolutionsdebatte um 1905 (https://manifest-buecher.de/produkt/auf-dem-weg-zur-permanenten-revolution/) oder zur nationalen Frage (https://manifest-buecher.de/produkt/auf-dem-weg-zur-permanenten-revolution/).

Später in diesem Jahr werden noch weitere Titel erscheinen, darunter „Kein Gedicht für Trotzki“ von Alice Rühle-Gerstel, die ein persönliches Porträt aus der Zeit ihrer Freundschaft und Mitarbeit mit Leo Trotzki im mexikanischen Exil gibt (https://manifest-buecher.de/produkt/kein-gedicht-fuer-trotzki/). Von Trotzki selbst ist noch eine Sammlung biographischer Texte über die internationale sozialistische Bewegung in Arbeit, die in andere Sprachen in ähnlicher Form unter dem Titel „Politische Profile“ erschienen ist und wie andere Textsammlungen auf Texte in deutscher Erstübersetzung veröffentlicht.

Wir wünschen allen Leser*innen eine erkenntnisreiche Lektüre und hoffen, dass die revolutionären Ideen der Bolschewiki und Trotzkis und seiner Mitstreiter*innen den neuen Schichten, die gerade international Widerstand leisten, den Weg zur sozialistischen Revolution weisen.